Ich, die Blume, der Gärtner, die Prinzessin, der Mann, das Schwein, die Erde, das Universum und das Unendliche.

Heute geht es um das Schwein.

Heute geht es um das Schwein.Elisa, ist eine meiner ältesten und liebsten Weggefährtinnen. Elisa kann ich am besten, mit den Worten neurotische, Leggings tragende Frau mit leichter Midlife-Crisis, beschreiben.
Elisa besitzt neben ihren sehr eigensinnigen Eigenschaften auch ein besonderes Tierchen. Genauer gesagt, ein Schwein namens Lisa.

Elisa und Lisa sind ein perfektes Team. Lisa braucht jemanden, der sich um sie kümmert und Elisa kümmert sich gern. Die perfekte Symbiose.
Die kleine Lisa ist allerdings der tyrannische Part in dieser Beziehung. Sie sagt, wo es lang geht, und wenn es nicht mehr lang geht, dann legt sie sich lang. Die kurzen, molligen Beinchen zu allen Seiten ausgestreckt.

Letztens war ich mit Elisa zum Walken verabredet. Sie hat sich die letzten Wochen um neue Sportkleidung gekümmert. Noch mehr Leggings. Dieses mal Eine, die den Po auf eine merkwürdige Weise sehr akzentuiert. Passend dazu sogar neue Turnschuhe, die sie in einem Spezialgeschäft mit Kamera und Lauf Diagnose gekauft hatte.
Danach hat sie unsere Verabredung mehrmals verschoben.

Da stand ich an der Tür. In meiner alten Sportkleidung. Zugegeben meine sah nicht so schick aus, wie Elisas, aber ich fühlte mich wohl. Ich wartete, dass Elisa fertig wird, um endlich los zu walken.
Sie ging hin und her. Wie ich da an der Tür stand, hörte ich wie Lisa mantramäßig, grunzend die Worte wiederholte:“ Du siehst aus wie eine Presswurst“.

Meinem Drang, Lisa mal den Ringelschwanz lang zu ziehen, konnte ich nur schwer widerstehen.
Nach einer gefühlten Stunde, stampfte ich zu Elisa und bat energisch darum, loszugehen. Ich hörte die freche Lisa, an meinen Beinen lehnend, vor sich hin grunzen.
Da platzte mir –trotz dehnbarem Stretchkragen– der Kragen. Ich brüllte “Geh weg!” und zeigte, energisch mit dem Arm, in Richtung ihres Gatters. Sie sieht beim Laufen mit den kurzen Beinchen ziemlich drollig aus. Es macht den Eindruck, als ob sie auf der Stelle strampelt. Es fiel mir wirklich schwer, das wütende Gesicht zu halten während sie so lustig ins Gatter strampelte.
Endlich im Gatter angekommen, suchte sich Lisa, eine dunkle Ecke, in der sie, in Fötusstellung vor sich hin jammerte.
In der Erwartung, ich würde sie bemitleiden und rauslassen. Ich versuchte, wieder richtig böse zu schauen, um keinen Zweifel an meiner Absicht aufkommen zu lassen.

Ich kehrte den Rücken zu Lisa und wollte endlich los. In diesem Moment  sah ich, wie Elisa mich von rechts überholte und dachte: Jetzt geht es endlich los.
Es überraschte mich nicht, dass Elisa doch lieber kniend, an der Seite des Schweinchens saß, und Trost spendete.

Manchmal fühle ich mich, mit Elisa und Lisa, wie ein Adler, dem man ein Küken und ein Brötchen, zum Behüten untergeschoben hat.

Nur um es zu erwähnen: Elisa, Lisa und ich teilen uns Raum, Zeit, Leben, Liebe und Geist.

Autor: Parissa Kahvand